|
Väter und Söhne, beides eine Spezies für sich und
mit so viel Konfliktpotential dazwischen. Michael Talke hat sich
für das Thalia Theater dieses Themas und des Romans von Iwan
Turgenjew angenommen. Mit viel Erfolg wie wir finden und auf jeden
Fall mit eines hervorragenden Ensemble.
Arkadij (Thomas Schmauser) und Bazarow (Felix Knopp) sind Studenten,
Nihilisten und Söhne. Allein dies birgt schon genug Stoff für
einen grundlegenden Generationskonflikt, als die beiden den Vater
und Onkel von Arkadji auf deren einsamen Gut in den Semesterferien
besuchen. So kommt es denn auch, dass sie streiten um politische
Einstellungen, Bedeutungen oder die Liebe, immer wird über
die unterschiedlichen Meinungen philosophiert und es wird der Abgrund
zwischen den Partnern klar.
Erst als die Liebe bedeutender wird und Bazarow, der unnahbar den
Nihilismus vertrat sich in die Witwe des Nachbarsgut Anna (Natali
Seelig) verliebt, kommen die Freunde ins Zweifeln über die
rigiden Einstellungen. Erst dann bricht Arkadij mit seiner zuvor
absoluten Gefolgschaft zu Bazarow.
|
Michael Talke gelingt es im typischen Thalia Theater Stil eine
Inszenierung auf die Bühne zu bringen, die mit dem Zuschauer
spielt. Geschickt nutzt er die Räume auf der Bühne um
Gefühle zu zeigen und bringt mit dem Bühnenbild die heile
oder zerstörte Welt des einen oder anderen zur Bedeutung. In
einer Szene, in der ein Fest zur Feier der Rückkehr Arkadijs
gehalten wird, tönt laute Musik, die die scheinbare und trügerische
Fröhlichkeit vermittelt in anderen Momenten wird das Seelenleben
einer der Figuren beleuchtet, indem das große Videobild desjenigen
die ganze Bühne überdeckt.
Keinen Moment ist es mir langweilig geworden, den Akteuren zu folgen,
keinen Moment verlor das Stück den Kontakt zu den Zuschauern.
www.thalia-theater.de
|