Theater

Väter und Söhne

Von Brian Friel nach Turgenjew. Regie Michael Talke
Thalia Theter, Uraufführung 5. Oktober 2002

Väter und Söhne, beides eine Spezies für sich und mit so viel Konfliktpotential dazwischen. Michael Talke hat sich für das Thalia Theater dieses Themas und des Romans von Iwan Turgenjew angenommen. Mit viel Erfolg wie wir finden und auf jeden Fall mit eines hervorragenden Ensemble.

Arkadij (Thomas Schmauser) und Bazarow (Felix Knopp) sind Studenten, Nihilisten und Söhne. Allein dies birgt schon genug Stoff für einen grundlegenden Generationskonflikt, als die beiden den Vater und Onkel von Arkadji auf deren einsamen Gut in den Semesterferien besuchen. So kommt es denn auch, dass sie streiten um politische Einstellungen, Bedeutungen oder die Liebe, immer wird über die unterschiedlichen Meinungen philosophiert und es wird der Abgrund zwischen den Partnern klar.

Erst als die Liebe bedeutender wird und Bazarow, der unnahbar den Nihilismus vertrat sich in die Witwe des Nachbarsgut Anna (Natali Seelig) verliebt, kommen die Freunde ins Zweifeln über die rigiden Einstellungen. Erst dann bricht Arkadij mit seiner zuvor absoluten Gefolgschaft zu Bazarow.

Michael Talke gelingt es im typischen Thalia Theater Stil eine Inszenierung auf die Bühne zu bringen, die mit dem Zuschauer spielt. Geschickt nutzt er die Räume auf der Bühne um Gefühle zu zeigen und bringt mit dem Bühnenbild die heile oder zerstörte Welt des einen oder anderen zur Bedeutung. In einer Szene, in der ein Fest zur Feier der Rückkehr Arkadijs gehalten wird, tönt laute Musik, die die scheinbare und trügerische Fröhlichkeit vermittelt in anderen Momenten wird das Seelenleben einer der Figuren beleuchtet, indem das große Videobild desjenigen die ganze Bühne überdeckt.

Keinen Moment ist es mir langweilig geworden, den Akteuren zu folgen, keinen Moment verlor das Stück den Kontakt zu den Zuschauern.

www.thalia-theater.de

Fazit:

Absolut sehenswert, spannend in der Kombination mit Herbstsonate im Ernst-Deutsch Theater, das die andere Seite betrachtet und über „Töchter und Mütter“ spricht. Ein hervorragendes Ensemble.